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Abschnitt 3
ERFUNDENE „SENSATIONEN“
oder:
Wie Rufmordbeauftragte arbeiten
(1984-1998)
Ein Aufsehen erregender Skandal, zur rechten
Zeit aufgedeckt, hat schon so manchen Politiker in arge Verlegenheit
gebracht. Rufmordbeauftragte und bestimmte Journalisten legen es darauf an,
auf ähnliche Weise auch „Sekten“ in Verruf zu bringen. Doch was tut man,
wenn keine Sensationen zu vermelden sind? Man konstruiert eben welche.
Am 5. September 1984 erscheint in mehreren deutschen Tageszeitungen317 ein
Bericht der Würzburger dpa-Korrespondentin Maria Speck, in dem unter anderem
zu lesen steht, das „Sekten-Info Essen“ habe nach dem Tod eines 42jährigen
„Sektenanhängers“ Strafanzeige gegen das Heimholungswerk wegen fahrlässiger
Tötung erstattet. „Offensichtlich sei der Christusheiler an der vom
Heimholungswerk propagierten Ernährungslehre gestorben, nach der immer
weniger gegessen und getrunken werden sollte, um wie ein ‚göttliches
Geistwesen’ zu leben.“ Bereits im August 1984 haben westdeutsche Zeitungen
ähnliche Meldungen verbreitet, so die Bildzeitung Essen (10.8.84): „Nur
Früchte, Körner, Wasser – hungerte sich Sektenheiler zu Tode?“ Hier wird
eine „Verwandte aus Bochum“ zitiert, die gesagt haben soll: „Vlado ist an
Unterernährung, Eiweiß- und Fettmangel gestorben.“ Heidmarie Cammans vom
„Sekten-Info“ fügt hinzu: „Ein erschütterndes Beispiel, wohin die
Zugehörigkeit zu Sekten führen kann. Wir schalten die Staatsanwaltschaft ...
ein.“ Die Westdeutsche Allgemeine schrieb (10.8.84): „Sekten-Info: Heiler
verhungert“, die Ruhr-Nachrichten: „Sektenmitglied starb an Unterernährung“,
der Bonner Express gar: „Wunderheiler hungerte sich für Sekte zu Tode –
‚Heimholungswerk hat ihn umgebracht’“ (11.8.84).
Man muss an dieser Stelle, gerade im Blick auf die letzte ungeheuerliche
Unterstellung, wissen, dass die Urchristen zu diesem Zeitpunkt noch kaum
Erfahrung mit den Pressegesetzen hatten. Doch selbst wenn sie gerichtlich
gegen diese ungeheuerliche Lüge vorgegangen wären – der
Verleumdungs-Paukenschlag war bereits in den Köpfen angekommen.
Was war wirklich geschehen? Der aus Jugoslawien stammende Vladmir P., der in
Korbach in Mittelhessen zusammen mit seiner Frau einen Imbissstand führte
und beim Heimholungswerk als Gebetsheiler mitarbeitete, starb am 4.8.1984 an
einer ausgedehnten Tuberkulose vor allem im Darm- und Bauchfellbereich. Bis
31.7.1984 war er wie gewohnt seiner Arbeit nachgegangen und hatte sich wohl
gefühlt. Dann wurde er krank, hielt es aber zunächst für eine Erkältung. Als
er ins Krankenhaus kam, war es bereits zu spät. Die Tuberkulose war, wie die
in Marburg durchgeführte Obduktion ergab, eingekapselt gewesen – man hätte
sie anderenfalls auch zuvor bei den Routineuntersuchungen, die ein
Imbissstand-Betreiber regelmäßig durchführen muss, gefunden.
Und wie stand es um seine Ernährung? Nach einer eidesstattlichen
Versicherung seiner Frau ernährte sich Vlado bis kurz vor seinem Tod völlig
normal und natürlich mit ausreichender Menge an Nahrungsmitteln. Er war
bereits fünf Jahre, bevor er das Heimholungswerk kennen gelernt hatte,
Vegetarier geworden. Bei der „Verwandten“, die das Heimholungswerk
öffentlich für seinen Tod verantwortlich zu machen versucht, handelt es sich
um eine gewisse Angelika Skara – eine Mitarbeiterin des „Sekten-Infos“
Essen! Frau Skara ist zwar tatsächlich entfernt mit Vlado verwandt – die
Ehefrau eines Cousins von Vlados Frau. Sie hat jedoch nach Aussage von Frau
P. diesen niemals in der gemeinsamen Wohnung besucht und ihn etwa acht
Monate vor seinem Tod zum letzten Mal gesehen – für ungefähr zehn Minuten!
Bei dieser Gelegenheit habe Frau Skara versucht, ihn „wie hysterisch“ zu
überzeugen, dass er einem „Irrglauben“ folge ... Obwohl sie seither
überhaupt keinen Kontakt zu ihm gehabt hatte, behauptete Skara gegenüber der
Presse, Vlado habe in den letzten Monaten seines Lebens nur noch von „Wasser
und Körnern“ gelebt – was seine Frau dementiert.
Es ist unglaublich, aber wahr: Um eine Sensationsstory gegen eine religiöse
Minderheit in die Boulevard-Presse zu lancieren, opfert die Mitarbeiterin
eines mit Steuergeldern unterstützten Verleumdungsbüros sogar den Ruf der
eigenen Verwandten! Man stelle sich die Skrupellosigkeit vor, mit der hier
einer Frau, die soeben ihren Mann verloren hat, auch noch ein Rufmord
zugefügt wird. Sogar der Versuch der Frau, den plötzlichen Schicksalsschlag
durch ihren Glauben an ein Weiterleben der Seele nach dem Tode zu
bewältigen, wird zum Anlass für weitere Verleumdung: „Die Witwe ihres
Cousins trauere nicht. Angelika Skara: ‚Sie ist auch Anhängerin des Werks
und überzeugt, dass er gar nicht wirklich tot ist.’“318 So viel Hass und
Fanatismus gegen Verwandte war bisher nur aus dem Mittelalter bekannt – man
erinnere sich an die Ketzergesetze Friedrichs II.: Nachkommen von
verurteilten Ketzern bis ins zweite Glied waren nur dann vom Verlust der
Bürgerrechte ausgenommen, wenn sie ihre Eltern selbst angezeigt hatten
...319
Das Sekten-Info Essen erstattete sogar Strafanzeige bei der
Staatsanwaltschaft Kassel gegen das Heimholungswerk und gab dabei an, Vlado
P. sei „laut ärztlicher Aussage an Unterernährung, Eiweißmangel und
Fettentzug bedingt durch die vom Heimholungswerk verkündete Ernährungslehre
... verstorben“. Diese schwerwiegende Behauptung ist völlig aus der Luft
gegriffen – jeder Arzt weiß, dass Tuberkulose nicht durch eine bestimmte
Ernährung verursacht wird, sondern eine Infektionskrankheit ist. In den
Vermerken des Krankenhauses Korbach ist denn auch davon keine Rede, es wird
lediglich von einem „extrem untergewichtigen Zustand“ Vlados gesprochen, wie
er mit Schwindsucht im Endstadium nun einmal einhergeht. Die Strafanzeige
verlief folgerichtig im Sande.
Doch die Verleumdungen machten die Runde. Die ersten Zeitungsmeldungen
gingen auf eine Pressekonferenz des „Sekten-Info“ zurück, auf der Cammans
ihre angebliche „Zeugin“ vorstellte. Skara wiederum stand in Kontakt zu Graf
Magnis – und Maria Speck stützte sich auf „Sekten-Info“ und Magnis. Graf
Magnis berief sich seinerseits später immer wieder auf die dpa-Meldung, die
er offenbar selbst mit kreiert hatte – denn die Idee mit dem angeblichen
„Hungertod“ trägt unverkennbar seine Handschrift. Auf diese Weise entsteht
ein regelrechtes „Zitier-Karussell“, das mit Hilfe leichtgläubiger
Journalisten in Schwung gehalten werden kann.
In diese Richtung weist auch die Tatsache, dass die katholische Zeitschrift
Weltbild (17.8.84) als erste – schon vor dpa – die Story bundesweit
verbreitete, mit langen Zitaten von Magnis über den „Verzicht auf tierisches
Eiweiß“, der angeblich den „Eigenwillen schwächt“ ...
Der Fall der Gerda Emma D.
Ein Jahr später gab es die nächsten Schlagzeilen: „Sektenmitglied tot
gefunden“ 320 – „Tote Frau in Feldscheune war Mitglied einer Sekte“321 –
„Frau lebte für Sekte in totaler Armut – tot – 55jährige Kulmbacherin hatte
alles aufgegeben“ 322 – Kulmbacherin lag tot in Feldscheune“ 323 – „Ist
Bettlerin erfroren?“ 324 – „Sektenmitglied in Feldscheune tot aufgefunden“
325 – und schließlich die Bild-Zeitung: „Frau in religiösem Wahn erfroren“.
326 Eine Frau habe „im religiösen Wahn alles verschenkt“ und sei „für die
Sekte Heimholungswerk Jesu Christi betteln gegangen“.
Was war wirklich geschehen? Gerda Emma D. hatte im Herbst 1984 einige Male
Veranstaltungen des Heimholungswerkes in Kulmbach besucht und zu diesem
Zeitpunkt noch einen normalen und wohlgenährten Eindruck gemacht. Anfang
1985, nachdem sie bereits mehrere Monate zuvor den Kontakt zu den Urchristen
abgebrochen hatte, kündigte sie ihren Arbeitsplatz, verließ ihren Wohnort
und begann ein Landstreicherleben in Süddeutschland. Nach Aussage von
Bekannten litt sie an Wahnvorstellungen, die dem Bereich der Psychiatrie
zuzuordnen sind. Das Heimholungswerk hatte sie nach eigener Aussage nur als
„Durchgangsstation“ betrachtet – sie müsse „ihren eigenen Weg weiter gehen“.
Bis zu ihrem Tod war sie Mitglied der evangelischen Landeskirche.
Wie kommt es nun zu einer derartigen Falschmeldung? Wer die Urchristen
kennt, der weiß, dass sie das Gesetz „Bete und arbeite“ einhalten und schon
von daher eine Landstreicherexistenz für sie nicht in Frage kommt. Die
Behauptung, dass ausgerechnet das Heimholungswerk am Tod der Frau schuld
sei, wurde von den Hinterbliebenen in die Welt gesetzt und von
Polizeidienststellen ungeprüft an die Presse weitergegeben. So behauptete
etwa der Münchner Merkur, das Heimholungswerk schreibe seinen Anhängern „ein
Leben in Armut“ vor.
Den Urchristen, damals noch wenig erfahren mit derartigen
Verleumdungskampagnen, gelingt es lediglich, in einigen Zeitungen die
Zugehörigkeit der Frau zum Heimholungswerk zu dementieren und statt dessen
über ihre Mitgliedschaft in der evangelisch-lutherischen Kirche zu
informieren. Aber diese Richtigstellungen sind klein im Vergleich zur ersten
Meldung – und zu den Meldungen, die auf überregionaler Ebene noch
erscheinen. Die Illustrierte Quick (2.1.86) stellt unter der Überschrift
„Die falsche Prophetin – Im Sog eines religiösen Wahns“ Gerda D. als
„verhungerte Frau“ dar, die „dem Heimholungswerk verfallen“ gewesen sei und
die „als Bettlerin leben wollte, um dem Sektenziel der ‚inneren Läuterung’
schneller näher zu kommen. Emma D. ... verkündete ihre religiösen Ansichten,
lebte asketisch nach den Vorstellungen der Sekte und übernachtete im
Freien.“ Auch über Vlado P. fügt die Quick gleich noch ein paar Lügen hinzu:
Er habe „offene TBC aufgrund mangelnder Ernährung“ gehabt und sich gegen die
Einlieferung in ein Krankenhaus gewehrt. Auch hier wird – was wohl
Rückschlüsse auf die dahinter steckende Person zulässt – Graf Magnis
zitiert.
Einen ähnlichen Hetzartikel bringt im Februar 1986 die Illustrierte
Praline:
„Religiöser Wahn trieb sie in den Tod“. Praline behauptet über Vlado P., er
sei „als sogenannter Christusheiler durch das Ruhrgebiet“ gezogen, während
seine Frau „die Familie mit einer Würstchenbude“ ernährt habe – wiederum
eine Lüge, denn Vlado arbeitete bis kurz vor seinem Tod ganz normal. Laut
Angelika Skara sei er drei Monate zu Hause krank im Bett gelegen, ohne sich
untersuchen zu lassen – eine weitere Lüge.
„Geweint, gestritten, gefleht“
Wieder ein Jahr später ist es ein dritter Fall, der im ostbayerischen Raum
für Schlagzeilen sorgt. In der Passauer Woche und einigen angeschlossenen
Zeitungen erscheinen im November 1987 groß aufgemachte Artikel, in denen
zwei Ehemänner angegriffen werden, die angeblich ihre Familien
vernachlässigen, weil sie dem Universellen Leben nahe stehen. Überschrift:
„Geweint, gestritten, gefleht“. Der Passauer Rufmordbeauftragte Martin Göth
behauptet in dem Artikel, durch das Universelle Leben hätten schon viele
„Haus und Hof verloren“. Die „Sekte“ habe „schon viele in den religiösen
Wahn getrieben“, indem sie „Alkohol, Nikotin und Sex verboten“ habe.
Jeder, der die Bücher des Universellen Lebens über den „Weg nach Innen“
liest, erkennt sofort, dass hier etwas nicht stimmen kann: Dort wird nämlich
vor Fanatismus und Verdrängung ausdrücklich gewarnt. Doch das ist nicht
alles: In Wahrheit sind beide Familien finanziell abgesichert. Es liegen
„normale“ Eheprobleme vor, die nicht in der Lehre des Universellen Lebens
gründen. Allenfalls ist auffällig, dass sich die Schwierigkeiten eines der
Ehepaare massiv verstärkten, als katholische Geistliche auf die Ehefrau
Einfluss nehmen, um zu verhindern, dass sie „auch noch“ in diese „Sekte“
gerät. Die Frau steht später in Kontakt mit Graf Magnis und Pfarrer Haack.
Auch hier ist festzustellen: Nicht das Universelle Leben verursacht
Eheprobleme, sondern umgekehrt die Intoleranz der Kirche gegen jegliche
„Abweichung“. Noch sechs Jahre später wird aber die Behauptung in der
Fernsehsendung „ZAK“327, im Universellen Leben würden „Ehen zerstört“, auf
Aussagen dieser Ehefrau zurückgeführt. In einer anschließenden
Gerichtsverhandlung fällt diese Aussage jedoch in sich zusammen, weil die –
falsche! – eidesstattliche Aussage der Frau (die nach einer Trennung heute
wieder bei ihrem Mann lebt) durch drei andere eidesstattliche Erklärungen
widerlegt wird.
„In den Selbstmord getrieben ...“
Nun dauert es fünf Jahre, bis die kirchliche Denunziations-Maschinerie
wieder einen „Fall“ gefunden hat, den sie dem Universellen Leben anhängen
kann. Am 29.4.1992 erscheint im Stern ein reißerischer Artikel mit der
Überschrift: „Satanische Sekten – sie predigen Heil und führen ins Verderben
– Wunderheiler und falsche Propheten haben in Deutschland Zulauf wie nie
zuvor“. Hier wird unter anderem die Geschichte von Michaela S. geschildert,
die sich selbst mit Benzin übergoss und verbrannte. Sie sei, behaupten die
Journalisten Daniela Horvath und Joachim Rienhardt, „in die Fänge einer der
gefährlichsten – so die Meinung namhafter Experten – deutschen Sekten
geraten: des Universellen Lebens. In deren Klinik ‚Haus der Gesundheit’ in
Michelrieth bei Würzburg hatte sie sich mehrfach behandeln lassen.“
Hans-Walter Jungen aus Hettstadt bei Würzburg behauptet laut
Stern: „Die
sind so gefährlich, weil sie Schwerkranke vom Gang zum Arzt abhalten. Manche
Kranke werden direkt in den Wahnsinn getrieben“, und der Stern ergänzt: „
... wie Michaela S., die sich selbst verbrannte ... Die Anhänger solcher
Scharlatane kommen in Strömen und nicht nur zum Universellen Leben.“ Unter
einem Bild von Michaela steht als Unterschrift: „In den Selbstmord
getrieben: Michaela S..“
Die junge Frau war im Jahr 1988 tatsächlich zur Behandlung in der
Naturklinik gewesen, hat sich aber mit der Lehre des Universellen Lebens
nicht beschäftigt. Man hatte in der Klinik zunächst versucht, ihr aus ihren
Schwierigkeiten herauszuhelfen, die offenbar vorher noch niemandem
aufgefallen waren, sie aber dann, weil offenbar massive psychische Probleme
vorlagen, an einen Facharzt für Nervenkrankheiten überwiesen. Dieser hatte
sie jedoch als nicht suizidgefährdet entlassen. Kurz darauf erfolgte der
Suizid, wobei die Angehörigen Michaelas an diesem Tag nichts ahnten und
einen positiven Eindruck von ihr hatten. In den daraufhin durchgeführten
Ermittlungen wurde bei den behandelnden Ärzten der Naturklinik keinerlei
Schuld festgestellt. Rienhardt stützte sich bei seinen Verleumdungen auf die
persönliche Interpretation der Ereignisse, die ein Bekannter der
Verstorbenen, offenbar auf der Suche nach einem Sündenbock, an kirchliche
Stellen weitergeleitet hatte, die diese Version dann an die Presse
weitergaben.
Die Geschichte ist tatsächlich ein Skandal – nämlich was die Art und Weise
angeht, wie ein Schmierenjournalist das Drama um eine kranke junge Frau
einer religiösen Minderheit in die Schuhe schiebt. Die Urchristen setzten
sich diesmal zur Wehr – und bekamen recht, wenn auch erst nach neun Monaten.
Am 11.1.1993 untersagte das Oberlandesgericht Bamberg
in zweiter Instanz dem
Stern die Behauptungen, Michaela S. sei in den Selbstmord getrieben worden
und: Kranke würden in den Wahnsinn getrieben. Außerdem darf der
Stern nicht
mehr unter der Überschrift „Satanische Sekten“ über das Universelle Leben
berichten.
Trotz dieses Erfolges und einer im Stern abgedruckten Gegendarstellung
(2.7.92) – die Auswirkungen eines solchen Artikels sind enorm. Etliche
Zeitungen und Zeitungsverlage328 verweigern seit diesem Artikel dem
Universellen Leben den Abdruck von Anzeigen. In einer Telefonzelle in
Kredenbach, einem Nachbarort von Michelrieth, hängt wenige Tage nach
Erscheinen des Artikels eine vergrößerte Kopie davon mit der Aufschrift:
„Wie lange lasst ihr euch das gefallen?“
Das Gerichtsurteil von Bamberg hat vermutlich dazu geführt, dass man in
Zukunft Verleumdungen noch geschickter verpackt und sich meist gar nicht
mehr auf konkrete „Fälle“ bezieht.
Und so dauert es weitere sechs Jahre, ehe man ein weiteres Mal versucht, dem
Universellen Leben die Verantwortung für einen Todesfall anzuhängen. Diesmal
ist es Günter Z. aus Norddeutschland, der sich, so behaupten seine
Angehörigen in Focus-TV (24.5.98) „zu Tode gehungert“ haben soll. Günter Z.
hatte die Angst, mit dem Essen Gifte aufzunehmen und magerte deshalb ab. Er
war bereits mit hypochondrischen Neigungen und fanatischen Zügen zum
Universellen Leben gestoßen – und man unterstützte diese Züge dort nicht, im
Gegenteil: Vor Fanatismus und Verdrängung wird, wie bereits erwähnt, im
Universellen Leben ausdrücklich gewarnt. Doch die Situation wurde durch
seine Familie verschärft, die ihn ständig von seinem „Irrweg“ abbringen und
„bekehren“ wollte. Bekanntlich reagieren schwierige Charaktere auf solchen
Druck meist mit noch größerer Verschlossenheit und Beharrlichkeit. Und da
bietet es sich an, die böse „Sekte“ für alles verantwortlich zu machen.
Doch selbst wenn nur einer der Todesfälle tatsächlich ursächlich mit dem
Universellen Leben in Verbindung gestanden hätte – unter den Mitgliedern
jeder religiösen Gemeinschaft, wie in der Gesellschaft insgesamt, gibt es
Selbstmorde, Kriminalität und menschliches Versagen. Kein Mensch kann
garantieren, dass dies nicht auch auf Menschen zutrifft, die sich dem
Universellen Leben zuwenden.
In Deutschland sterben jährlich ca. 12 000 Menschen durch Selbstmord, die
Mehrheit von ihnen sind Katholiken und Protestanten. Gerade das katholische
Würzburg gilt statistisch gesehen als eine „Hochburg der Selbstmörder“ – mit
bis zu 29 Prozent höheren Suizidraten als im Bundesdurchschnitt.329
Wissenschaftler führen das auf das „konservative, stark katholisch geprägte
Milieu“ zurück, das „Absteigern das Leben schwer, manchmal unmöglich
macht“.330 Täglich missbrauchen Katholiken und Protestanten Kinder, bringen
ihre Familie um – doch in keiner Zeitung steht zu lesen: „Katholik
verursachte Familiendrama“ oder: „Protestant in den Tod getrieben“. Bei
religiösen Minderheiten jedoch wird sofort ein Zusammenhang hergestellt –
oder konstruiert. Selbst wenn die Abendzeitung darüber berichtet, dass ein
Mitarbeiter der evangelischen Landeskirche Bayerns durch Mobbing in den Tod
getrieben worden sein soll331, so kommt niemand auf die Idee, die
lutherische Kirche als „Mobbing-Sekte“ zu bezeichnen. Obwohl es dazu
durchaus Anlass gäbe – denn was betreiben die Großkirchen,
gesamtgesellschaftlich betrachtet, gegenüber religiösen Minderheiten anderes
als „Mobbing“: Sie wollen die Andersgläubigen aus Städten und Gemeinden
herausekeln. Zum Beispiel aus dem unterfränkischen Wallfahrtsort Dettelbach.
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