Das Buch
 

Der Steinadler und sein Schwefelgeruch
- Das neue Mittelalter

Buch, 464 Seiten, gebunden,
mit zahlreichen Abbildungen
Euro 14,90, SFr 26,80 + Versand
ISBN 978-3-9808322-3-6

Zu bestellen per E-Mail bei
Verlag Das Weisse Pferd:
info@das-weisse-pferd.com
 


 

 

Kapitel 3

DIE VERFOLGUNG DER URCHRISTEN IM UNIVERSELLEN LEBEN

 

Abschnitt 3
ERFUNDENE „SENSATIONEN“
oder:
Wie Rufmordbeauftragte arbeiten

(1984-1998)

Ein Aufsehen erregender Skandal, zur rechten Zeit aufgedeckt, hat schon so manchen Politiker in arge Verlegenheit gebracht. Rufmordbeauftragte und bestimmte Journalisten legen es darauf an, auf ähnliche Weise auch „Sekten“ in Verruf zu bringen. Doch was tut man, wenn keine Sensationen zu vermelden sind? Man konstruiert eben welche.

Am 5. September 1984 erscheint in mehreren deutschen Tageszeitungen317 ein Bericht der Würzburger dpa-Korrespondentin Maria Speck, in dem unter anderem zu lesen steht, das „Sekten-Info Essen“ habe nach dem Tod eines 42jährigen „Sektenanhängers“ Strafanzeige gegen das Heimholungswerk wegen fahrlässiger Tötung erstattet. „Offensichtlich sei der Christusheiler an der vom Heimholungswerk propagierten Ernährungslehre gestorben, nach der immer weniger gegessen und getrunken werden sollte, um wie ein ‚göttliches Geistwesen’ zu leben.“ Bereits im August 1984 haben westdeutsche Zeitungen ähnliche Meldungen verbreitet, so die Bildzeitung Essen (10.8.84): „Nur Früchte, Körner, Wasser – hungerte sich Sektenheiler zu Tode?“ Hier wird eine „Verwandte aus Bochum“ zitiert, die gesagt haben soll: „Vlado ist an Unterernährung, Eiweiß- und Fettmangel gestorben.“ Heidmarie Cammans vom „Sekten-Info“ fügt hinzu: „Ein erschütterndes Beispiel, wohin die Zugehörigkeit zu Sekten führen kann. Wir schalten die Staatsanwaltschaft ... ein.“ Die Westdeutsche Allgemeine schrieb (10.8.84): „Sekten-Info: Heiler verhungert“, die Ruhr-Nachrichten: „Sektenmitglied starb an Unterernährung“, der Bonner Express gar: „Wunderheiler hungerte sich für Sekte zu Tode – ‚Heimholungswerk hat ihn umgebracht’“ (11.8.84).

Man muss an dieser Stelle, gerade im Blick auf die letzte ungeheuerliche Unterstellung, wissen, dass die Urchristen zu diesem Zeitpunkt noch kaum Erfahrung mit den Pressegesetzen hatten. Doch selbst wenn sie gerichtlich gegen diese ungeheuerliche Lüge vorgegangen wären – der Verleumdungs-Paukenschlag war bereits in den Köpfen angekommen.

Was war wirklich geschehen? Der aus Jugoslawien stammende Vladmir P., der in Korbach in Mittelhessen zusammen mit seiner Frau einen Imbissstand führte und beim Heimholungswerk als Gebetsheiler mitarbeitete, starb am 4.8.1984 an einer ausgedehnten Tuberkulose vor allem im Darm- und Bauchfellbereich. Bis 31.7.1984 war er wie gewohnt seiner Arbeit nachgegangen und hatte sich wohl gefühlt. Dann wurde er krank, hielt es aber zunächst für eine Erkältung. Als er ins Krankenhaus kam, war es bereits zu spät. Die Tuberkulose war, wie die in Marburg durchgeführte Obduktion ergab, eingekapselt gewesen – man hätte sie anderenfalls auch zuvor bei den Routineuntersuchungen, die ein Imbissstand-Betreiber regelmäßig durchführen muss, gefunden.

Und wie stand es um seine Ernährung? Nach einer eidesstattlichen Versicherung seiner Frau ernährte sich Vlado bis kurz vor seinem Tod völlig normal und natürlich mit ausreichender Menge an Nahrungsmitteln. Er war bereits fünf Jahre, bevor er das Heimholungswerk kennen gelernt hatte, Vegetarier geworden. Bei der „Verwandten“, die das Heimholungswerk öffentlich für seinen Tod verantwortlich zu machen versucht, handelt es sich um eine gewisse Angelika Skara – eine Mitarbeiterin des „Sekten-Infos“ Essen! Frau Skara ist zwar tatsächlich entfernt mit Vlado verwandt – die Ehefrau eines Cousins von Vlados Frau. Sie hat jedoch nach Aussage von Frau P. diesen niemals in der gemeinsamen Wohnung besucht und ihn etwa acht Monate vor seinem Tod zum letzten Mal gesehen – für ungefähr zehn Minuten! Bei dieser Gelegenheit habe Frau Skara versucht, ihn „wie hysterisch“ zu überzeugen, dass er einem „Irrglauben“ folge ... Obwohl sie seither überhaupt keinen Kontakt zu ihm gehabt hatte, behauptete Skara gegenüber der Presse, Vlado habe in den letzten Monaten seines Lebens nur noch von „Wasser und Körnern“ gelebt – was seine Frau dementiert.

Es ist unglaublich, aber wahr: Um eine Sensationsstory gegen eine religiöse Minderheit in die Boulevard-Presse zu lancieren, opfert die Mitarbeiterin eines mit Steuergeldern unterstützten Verleumdungsbüros sogar den Ruf der eigenen Verwandten! Man stelle sich die Skrupellosigkeit vor, mit der hier einer Frau, die soeben ihren Mann verloren hat, auch noch ein Rufmord zugefügt wird. Sogar der Versuch der Frau, den plötzlichen Schicksalsschlag durch ihren Glauben an ein Weiterleben der Seele nach dem Tode zu bewältigen, wird zum Anlass für weitere Verleumdung: „Die Witwe ihres Cousins trauere nicht. Angelika Skara: ‚Sie ist auch Anhängerin des Werks und überzeugt, dass er gar nicht wirklich tot ist.’“318 So viel Hass und Fanatismus gegen Verwandte war bisher nur aus dem Mittelalter bekannt – man erinnere sich an die Ketzergesetze Friedrichs II.: Nachkommen von verurteilten Ketzern bis ins zweite Glied waren nur dann vom Verlust der Bürgerrechte ausgenommen, wenn sie ihre Eltern selbst angezeigt hatten ...319

Das Sekten-Info Essen erstattete sogar Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Kassel gegen das Heimholungswerk und gab dabei an, Vlado P. sei „laut ärztlicher Aussage an Unterernährung, Eiweißmangel und Fettentzug bedingt durch die vom Heimholungswerk verkündete Ernährungslehre ... verstorben“. Diese schwerwiegende Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen – jeder Arzt weiß, dass Tuberkulose nicht durch eine bestimmte Ernährung verursacht wird, sondern eine Infektionskrankheit ist. In den Vermerken des Krankenhauses Korbach ist denn auch davon keine Rede, es wird lediglich von einem „extrem untergewichtigen Zustand“ Vlados gesprochen, wie er mit Schwindsucht im Endstadium nun einmal einhergeht. Die Strafanzeige verlief folgerichtig im Sande.

Doch die Verleumdungen machten die Runde. Die ersten Zeitungsmeldungen gingen auf eine Pressekonferenz des „Sekten-Info“ zurück, auf der Cammans ihre angebliche „Zeugin“ vorstellte. Skara wiederum stand in Kontakt zu Graf Magnis – und Maria Speck stützte sich auf „Sekten-Info“ und Magnis. Graf Magnis berief sich seinerseits später immer wieder auf die dpa-Meldung, die er offenbar selbst mit kreiert hatte – denn die Idee mit dem angeblichen „Hungertod“ trägt unverkennbar seine Handschrift. Auf diese Weise entsteht ein regelrechtes „Zitier-Karussell“, das mit Hilfe leichtgläubiger Journalisten in Schwung gehalten werden kann.

In diese Richtung weist auch die Tatsache, dass die katholische Zeitschrift Weltbild (17.8.84) als erste – schon vor dpa – die Story bundesweit verbreitete, mit langen Zitaten von Magnis über den „Verzicht auf tierisches Eiweiß“, der angeblich den „Eigenwillen schwächt“ ...

Der Fall der Gerda Emma D.

Ein Jahr später gab es die nächsten Schlagzeilen: „Sektenmitglied tot gefunden“ 320 – „Tote Frau in Feldscheune war Mitglied einer Sekte“321 – „Frau lebte für Sekte in totaler Armut – tot – 55jährige Kulmbacherin hatte alles aufgegeben“ 322 – Kulmbacherin lag tot in Feldscheune“ 323 – „Ist Bettlerin erfroren?“ 324 – „Sektenmitglied in Feldscheune tot aufgefunden“ 325 – und schließlich die Bild-Zeitung: „Frau in religiösem Wahn erfroren“. 326 Eine Frau habe „im religiösen Wahn alles verschenkt“ und sei „für die Sekte Heimholungswerk Jesu Christi betteln gegangen“.

Was war wirklich geschehen? Gerda Emma D. hatte im Herbst 1984 einige Male Veranstaltungen des Heimholungswerkes in Kulmbach besucht und zu diesem Zeitpunkt noch einen normalen und wohlgenährten Eindruck gemacht. Anfang 1985, nachdem sie bereits mehrere Monate zuvor den Kontakt zu den Urchristen abgebrochen hatte, kündigte sie ihren Arbeitsplatz, verließ ihren Wohnort und begann ein Landstreicherleben in Süddeutschland. Nach Aussage von Bekannten litt sie an Wahnvorstellungen, die dem Bereich der Psychiatrie zuzuordnen sind. Das Heimholungswerk hatte sie nach eigener Aussage nur als „Durchgangsstation“ betrachtet – sie müsse „ihren eigenen Weg weiter gehen“. Bis zu ihrem Tod war sie Mitglied der evangelischen Landeskirche.

Wie kommt es nun zu einer derartigen Falschmeldung? Wer die Urchristen kennt, der weiß, dass sie das Gesetz „Bete und arbeite“ einhalten und schon von daher eine Landstreicherexistenz für sie nicht in Frage kommt. Die Behauptung, dass ausgerechnet das Heimholungswerk am Tod der Frau schuld sei, wurde von den Hinterbliebenen in die Welt gesetzt und von Polizeidienststellen ungeprüft an die Presse weitergegeben. So behauptete etwa der Münchner Merkur, das Heimholungswerk schreibe seinen Anhängern „ein Leben in Armut“ vor.

Den Urchristen, damals noch wenig erfahren mit derartigen Verleumdungskampagnen, gelingt es lediglich, in einigen Zeitungen die Zugehörigkeit der Frau zum Heimholungswerk zu dementieren und statt dessen über ihre Mitgliedschaft in der evangelisch-lutherischen Kirche zu informieren. Aber diese Richtigstellungen sind klein im Vergleich zur ersten Meldung – und zu den Meldungen, die auf überregionaler Ebene noch erscheinen. Die Illustrierte Quick (2.1.86) stellt unter der Überschrift „Die falsche Prophetin – Im Sog eines religiösen Wahns“ Gerda D. als „verhungerte Frau“ dar, die „dem Heimholungswerk verfallen“ gewesen sei und die „als Bettlerin leben wollte, um dem Sektenziel der ‚inneren Läuterung’ schneller näher zu kommen. Emma D. ... verkündete ihre religiösen Ansichten, lebte asketisch nach den Vorstellungen der Sekte und übernachtete im Freien.“ Auch über Vlado P. fügt die Quick gleich noch ein paar Lügen hinzu: Er habe „offene TBC aufgrund mangelnder Ernährung“ gehabt und sich gegen die Einlieferung in ein Krankenhaus gewehrt. Auch hier wird – was wohl Rückschlüsse auf die dahinter steckende Person zulässt – Graf Magnis zitiert.

Einen ähnlichen Hetzartikel bringt im Februar 1986 die Illustrierte Praline: „Religiöser Wahn trieb sie in den Tod“. Praline behauptet über Vlado P., er sei „als sogenannter Christusheiler durch das Ruhrgebiet“ gezogen, während seine Frau „die Familie mit einer Würstchenbude“ ernährt habe – wiederum eine Lüge, denn Vlado arbeitete bis kurz vor seinem Tod ganz normal. Laut Angelika Skara sei er drei Monate zu Hause krank im Bett gelegen, ohne sich untersuchen zu lassen – eine weitere Lüge.

„Geweint, gestritten, gefleht“

Wieder ein Jahr später ist es ein dritter Fall, der im ostbayerischen Raum für Schlagzeilen sorgt. In der Passauer Woche und einigen angeschlossenen Zeitungen erscheinen im November 1987 groß aufgemachte Artikel, in denen zwei Ehemänner angegriffen werden, die angeblich ihre Familien vernachlässigen, weil sie dem Universellen Leben nahe stehen. Überschrift: „Geweint, gestritten, gefleht“. Der Passauer Rufmordbeauftragte Martin Göth behauptet in dem Artikel, durch das Universelle Leben hätten schon viele „Haus und Hof verloren“. Die „Sekte“ habe „schon viele in den religiösen Wahn getrieben“, indem sie „Alkohol, Nikotin und Sex verboten“ habe.

Jeder, der die Bücher des Universellen Lebens über den „Weg nach Innen“ liest, erkennt sofort, dass hier etwas nicht stimmen kann: Dort wird nämlich vor Fanatismus und Verdrängung ausdrücklich gewarnt. Doch das ist nicht alles: In Wahrheit sind beide Familien finanziell abgesichert. Es liegen „normale“ Eheprobleme vor, die nicht in der Lehre des Universellen Lebens gründen. Allenfalls ist auffällig, dass sich die Schwierigkeiten eines der Ehepaare massiv verstärkten, als katholische Geistliche auf die Ehefrau Einfluss nehmen, um zu verhindern, dass sie „auch noch“ in diese „Sekte“ gerät. Die Frau steht später in Kontakt mit Graf Magnis und Pfarrer Haack. Auch hier ist festzustellen: Nicht das Universelle Leben verursacht Eheprobleme, sondern umgekehrt die Intoleranz der Kirche gegen jegliche „Abweichung“. Noch sechs Jahre später wird aber die Behauptung in der Fernsehsendung „ZAK“327, im Universellen Leben würden „Ehen zerstört“, auf Aussagen dieser Ehefrau zurückgeführt. In einer anschließenden Gerichtsverhandlung fällt diese Aussage jedoch in sich zusammen, weil die – falsche! – eidesstattliche Aussage der Frau (die nach einer Trennung heute wieder bei ihrem Mann lebt) durch drei andere eidesstattliche Erklärungen widerlegt wird.

„In den Selbstmord getrieben ...“

Nun dauert es fünf Jahre, bis die kirchliche Denunziations-Maschinerie wieder einen „Fall“ gefunden hat, den sie dem Universellen Leben anhängen kann. Am 29.4.1992 erscheint im Stern ein reißerischer Artikel mit der Überschrift: „Satanische Sekten – sie predigen Heil und führen ins Verderben – Wunderheiler und falsche Propheten haben in Deutschland Zulauf wie nie zuvor“. Hier wird unter anderem die Geschichte von Michaela S. geschildert, die sich selbst mit Benzin übergoss und verbrannte. Sie sei, behaupten die Journalisten Daniela Horvath und Joachim Rienhardt, „in die Fänge einer der gefährlichsten – so die Meinung namhafter Experten – deutschen Sekten geraten: des Universellen Lebens. In deren Klinik ‚Haus der Gesundheit’ in Michelrieth bei Würzburg hatte sie sich mehrfach behandeln lassen.“ Hans-Walter Jungen aus Hettstadt bei Würzburg behauptet laut Stern: „Die sind so gefährlich, weil sie Schwerkranke vom Gang zum Arzt abhalten. Manche Kranke werden direkt in den Wahnsinn getrieben“, und der Stern ergänzt: „ ... wie Michaela S., die sich selbst verbrannte ... Die Anhänger solcher Scharlatane kommen in Strömen und nicht nur zum Universellen Leben.“ Unter einem Bild von Michaela steht als Unterschrift: „In den Selbstmord getrieben: Michaela S..“

Die junge Frau war im Jahr 1988 tatsächlich zur Behandlung in der Naturklinik gewesen, hat sich aber mit der Lehre des Universellen Lebens nicht beschäftigt. Man hatte in der Klinik zunächst versucht, ihr aus ihren Schwierigkeiten herauszuhelfen, die offenbar vorher noch niemandem aufgefallen waren, sie aber dann, weil offenbar massive psychische Probleme vorlagen, an einen Facharzt für Nervenkrankheiten überwiesen. Dieser hatte sie jedoch als nicht suizidgefährdet entlassen. Kurz darauf erfolgte der Suizid, wobei die Angehörigen Michaelas an diesem Tag nichts ahnten und einen positiven Eindruck von ihr hatten. In den daraufhin durchgeführten Ermittlungen wurde bei den behandelnden Ärzten der Naturklinik keinerlei Schuld festgestellt. Rienhardt stützte sich bei seinen Verleumdungen auf die persönliche Interpretation der Ereignisse, die ein Bekannter der Verstorbenen, offenbar auf der Suche nach einem Sündenbock, an kirchliche Stellen weitergeleitet hatte, die diese Version dann an die Presse weitergaben.

Die Geschichte ist tatsächlich ein Skandal – nämlich was die Art und Weise angeht, wie ein Schmierenjournalist das Drama um eine kranke junge Frau einer religiösen Minderheit in die Schuhe schiebt. Die Urchristen setzten sich diesmal zur Wehr – und bekamen recht, wenn auch erst nach neun Monaten. Am 11.1.1993 untersagte das Oberlandesgericht Bamberg in zweiter Instanz dem Stern die Behauptungen, Michaela S. sei in den Selbstmord getrieben worden und: Kranke würden in den Wahnsinn getrieben. Außerdem darf der Stern nicht mehr unter der Überschrift „Satanische Sekten“ über das Universelle Leben berichten.

Trotz dieses Erfolges und einer im Stern abgedruckten Gegendarstellung (2.7.92) – die Auswirkungen eines solchen Artikels sind enorm. Etliche Zeitungen und Zeitungsverlage328 verweigern seit diesem Artikel dem Universellen Leben den Abdruck von Anzeigen. In einer Telefonzelle in Kredenbach, einem Nachbarort von Michelrieth, hängt wenige Tage nach Erscheinen des Artikels eine vergrößerte Kopie davon mit der Aufschrift: „Wie lange lasst ihr euch das gefallen?“

Das Gerichtsurteil von Bamberg hat vermutlich dazu geführt, dass man in Zukunft Verleumdungen noch geschickter verpackt und sich meist gar nicht mehr auf konkrete „Fälle“ bezieht.

Und so dauert es weitere sechs Jahre, ehe man ein weiteres Mal versucht, dem Universellen Leben die Verantwortung für einen Todesfall anzuhängen. Diesmal ist es Günter Z. aus Norddeutschland, der sich, so behaupten seine Angehörigen in Focus-TV (24.5.98) „zu Tode gehungert“ haben soll. Günter Z. hatte die Angst, mit dem Essen Gifte aufzunehmen und magerte deshalb ab. Er war bereits mit hypochondrischen Neigungen und fanatischen Zügen zum Universellen Leben gestoßen – und man unterstützte diese Züge dort nicht, im Gegenteil: Vor Fanatismus und Verdrängung wird, wie bereits erwähnt, im Universellen Leben ausdrücklich gewarnt. Doch die Situation wurde durch seine Familie verschärft, die ihn ständig von seinem „Irrweg“ abbringen und „bekehren“ wollte. Bekanntlich reagieren schwierige Charaktere auf solchen Druck meist mit noch größerer Verschlossenheit und Beharrlichkeit. Und da bietet es sich an, die böse „Sekte“ für alles verantwortlich zu machen.

Doch selbst wenn nur einer der Todesfälle tatsächlich ursächlich mit dem Universellen Leben in Verbindung gestanden hätte – unter den Mitgliedern jeder religiösen Gemeinschaft, wie in der Gesellschaft insgesamt, gibt es Selbstmorde, Kriminalität und menschliches Versagen. Kein Mensch kann garantieren, dass dies nicht auch auf Menschen zutrifft, die sich dem Universellen Leben zuwenden.

In Deutschland sterben jährlich ca. 12 000 Menschen durch Selbstmord, die Mehrheit von ihnen sind Katholiken und Protestanten. Gerade das katholische Würzburg gilt statistisch gesehen als eine „Hochburg der Selbstmörder“ – mit bis zu 29 Prozent höheren Suizidraten als im Bundesdurchschnitt.329 Wissenschaftler führen das auf das „konservative, stark katholisch geprägte Milieu“ zurück, das „Absteigern das Leben schwer, manchmal unmöglich macht“.330 Täglich missbrauchen Katholiken und Protestanten Kinder, bringen ihre Familie um – doch in keiner Zeitung steht zu lesen: „Katholik verursachte Familiendrama“ oder: „Protestant in den Tod getrieben“. Bei religiösen Minderheiten jedoch wird sofort ein Zusammenhang hergestellt – oder konstruiert. Selbst wenn die Abendzeitung darüber berichtet, dass ein Mitarbeiter der evangelischen Landeskirche Bayerns durch Mobbing in den Tod getrieben worden sein soll331, so kommt niemand auf die Idee, die lutherische Kirche als „Mobbing-Sekte“ zu bezeichnen. Obwohl es dazu durchaus Anlass gäbe – denn was betreiben die Großkirchen, gesamtgesellschaftlich betrachtet, gegenüber religiösen Minderheiten anderes als „Mobbing“: Sie wollen die Andersgläubigen aus Städten und Gemeinden herausekeln. Zum Beispiel aus dem unterfränkischen Wallfahrtsort Dettelbach.

 

 

Zum Kapitel 3-4                           Zurück zum Kapitel 3-2                    zurück zur Übersicht

[Startseite]    [Aktuell]    [Das Buch]    [Hintergrund]    [Links]    [Kontakt]    [Impressum]


Hit Counter