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DIE VERFOLGUNG DER URCHRISTEN IM UNIVERSELLEN LEBEN
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Abschnitt 7 Bereits im Fall Hettstadt wurde klar, dass die „Argumente“, die sowohl Waldemar Zorn als auch Hans-Walter Jungen zur Vertreibung der Urchristen benutzten, zum größten Teil aus der Giftküche des Grafen Magnis stammten. Um seinen Giftpfeilen so etwas wie den Anschein der „Wissenschaftlichkeit“ zu verleihen, bediente sich der Chefideologe der modernen Würzburger Inquisition schon frühzeitig besonderer Arbeitsmethoden. Das Glatzel-GutachtenIm Buch von Hans-Walter Jungen (vgl. S. 272 ff.) wurde ein „Gutachten“
erwähnt, wonach die Ernährungslehre des Universellen Lebens
„lebensgefährlich“ sei. Die Urchristen erfuhren von diesem dubiosen
Gutachten erstmals im Sommer 1987. Graf Magnis hielt am 29. Mai 1987 einen
Vortrag in Marktheidenfeld und behauptete, die vom Heimholungswerk
empfohlene Ernährungsweise habe zum Tode zweier Menschen geführt. Er
erwähnte ausdrücklich Vlado P. und Gerda D. (vgl. S. 203 ff.). Der
Zusammenhang, den Magnis hier konstruierte, wurde so dreist vorgetragen,
dass das Main-Echo (1.6.87) nicht zögerte, zu schreiben: „Graf Magnis ...
warf dem Heimholungswerk vor, dass schon einige Menschen an diesem
Ernährungskonzept gestorben seien, nachdem das Heimholungswerk deren
Vermögen kassiert habe.“ Die Urchristen riefen die Justiz an, um dem
Rufmordbeauftragten diese infame Verleumdung untersagen zu lassen, und
erhielten in einer einstweiligen Verfügung auch Recht. Doch im
Hauptsacheverfahren baute das Landgericht Würzburg dem offiziellen
Inquisitor des Würzburger Bischofs eine goldene Brücke. Trotz eines
Tonbandmitschnitts, den Magnis selbst vorlegte und der die Verleumdung
belegte, wurde ihm nahegelegt, zu Protokoll zu geben, er habe
einen Zusammenhang
zwischen der Ernährungslehre des Universellen Lebens und den
beiden Todesfällen nicht herstellen wollen und werde das auch in Zukunft
nicht tun. Daraufhin wurde die Hauptsache für erledigt erklärt. Das Spall-GutachtenFast zeitgleich mit dem dubiosen Glatzel-Gutachten ließ Magnis noch ein
weiteres anfertigen. Er beauftragte 1985 den Würzburger Diplom-Psychologen
Alfred Spall, ein Gutachten über die Wirkung der Meditationstexte des
Universellen Lebens anzufertigen. Spall ist hauptamtlicher Mitarbeiter der
Würzburger Caritas, also schon von daher wenig geeignet, ein solches Thema
objektiv zu beurteilen. Hinzu kam, dass Spall lediglich die
Meditationscassetten als Grundlage hatte, über die tatsächliche Wirkung
dieser Cassetten aber keinerlei empirischen Nachweis führen konnte. Was ihn
aber nicht daran hinderte, abenteuerliche Spekulationen darüber anzustellen,
wie diese Texte wohl wirken werden: natürlich ausschließlich negativ! Er
bezeichnet bereits die Sprache als „pompös, emotional, aufreißerisch,
hypertroph und damit schwer begreifbar“. Er unterstellt dem Universellen
Leben, man wolle durch die Meditationen „nicht den selbständig Denkenden und
damit mündigen Menschen, sondern den Menschen, der sich der Ideologie
kritiklos unterwirft“. Durch die Meditationen würden Schuld- und
Angstgefühle geweckt, es werde in autoritärer Weise „indoktriniert“. Spall
kommt zu dem Schluss: „Man muß annehmen, dass zumindest einige der
Teilnehmer durch eine solche Vorgehensweise ... erheblich psychisch
geschädigt werden.“ Und: „Bei einer erheblichen Anzahl von Einzelfällen
wurden bei Jugendlichen, welche eine Reihe von entsprechenden Sitzungen
mitgemacht hatten, psychotische oder psychoseähnliche Zustandsbilder
festgestellt.“ Spitzel und Denunzianten – der Inquisitoren liebste GesellschaftNeben erschlichenen und gezinkten Gutachten stellten die Angaben von
Spitzeln und Denunzianten – ähnlich wie in der mittelalterlichen Inquisition
– ein weiteres beliebtes Arbeitsmittel von Graf Magnis dar. So entsandte er
in die wöchentlichen Veranstaltungen der Urchristen Spitzel, die dann aus
dem Gedächtnis verzerrte Angaben machten, die später als falsche Zitate in
den von Magnis herausgegebenen Schriften der „Frau aller Völker“
auftauchten. Der oben erwähnte Theologe (S. 279), dessen Stiefsohn angeblich
durch das Heimholungswerk krank wurde, setzte sich 1986 in einen Vortrag der
Urchristen über Reinkarnation und stellte die Fangfrage: „Heißt das, dass
die Nazischergen die Juden bloß der gerechten Strafe zugeführt haben?“ Der
Referent antwortete darauf klar mit „Nein“ – dennoch behauptete Magnis in
seiner nächsten Schrift, im Universellen Leben werde behauptet, „die
Nazischergen seien Ausführende des göttlichen Gesetzes gewesen“. Als die
Urchristen ihn einluden, seine Behauptung auf einer Podiumsdiskussion zu
beweisen, blieb er dieser Veranstaltung fern. Sie fand dennoch statt und
beschäftigte sich unter dem Thema „Kirche, Karma und KZ“ (Hauptreferat:
Karlheinz Deschner) mit dem Antisemitismus der Kirchen. Der Pendler von St. KilianDoch der Inquisitor Magnis hat noch mehr „Spezialitäten“ auf Lager. „Sammle
so viel Informationen wie möglich – und säe Zwietracht im Lager deiner
Gegner“, heißt die uralte Devise. Anfang 1988 beginnt er damit, unter der
Anschrift einer Frau Ingrid Zierlein aus Würzburg, auch als „Arbeitsgruppe
St. Kilian“ firmierend, Rundbriefe an alle möglichen Sympathisanten aus dem
Umfeld der Urchristen zu verschicken. Offenbar hat er zu diesem Zweck eifrig
Adressen gesammelt – auf welche Weise, bleibt im Dunkeln. In diesen Briefen
wechseln plumpe Anbiederungsversuche mit hanebüchenen Behauptungen ab. Es
wird an die Leser appelliert, Frau Zierlein doch zu schreiben und ihr zu
berichten, was man im Universellen Leben erlebt habe. Um solche Kontakte zu
provozieren, wird behauptet, die Anhänger des Universellen Lebens seien sehr
„unnahbar“. Frau Zierlein alias Graf Magnis äußert Verständnis dafür, dass
nach Haacks Vortrag in Hettstadt einige „An die Wand stellen! – Aufknüpfen!“
gerufen haben – aufgrund der vielen Leserbriefe von Urchristen und deren
Klage gegen ihre „angebliche“ Verfolgung „bleibt ihnen [den Hettstädtern]
kaum Möglichkeit, sich zu finden, alles etwas objektiver zu sehen“. Und
warum gibt es so viele „Sekten“? Frau Zierlein: „Die Eltern, eigentlich
Partner der Kinder, versagen; so wenden sich diese jenen Gruppen zu, die
ihnen zuhören. Wen wundert es, wenn diese Kinder und Jugendlichen zu
Kriminellen werden, Drogensüchtigen oder Sekten verfallen?“ Wenn es um die
Diffamierung von Andersgläubigen geht, schreckt die Kirche vor keiner
Simplifikation zurück. „Obo - das stärkste wilde Tier“Graf Magnis ist zwar 1988 wegen seiner „Verdienste“ um die katholische Sache
mit dem päpstlichen Silvesterorden ausgezeichnet worden. Doch im
bischöflichen Ordinariat Würzburg, für das er jahre lang die „Drecksarbeit“
der „Sekten“-Hatz erledigt hat, mag es allmählich manchen Herren gedämmert
haben, dass der alte Herr sogar nach katholischen Maßstäben gelegentlich
etwas skurrile Einfälle hat. Man belässt ihn jedoch weiter im Amt; nur seine
öffentlichen Auftritte werden reduziert. Den Ruf des „Ketzerjägers“ Magnis
nicht eben gefördert hatten die im Jahr zuvor in der Zeitung der Urchristen,
Der Christusstaat (1/87), veröffentlichten Auszüge aus einem seiner Bücher.
„An den Lagerfeuern dreier Kontinente“, so der vielsagende Titel des
Magnis-Werkes 419, hatte der Grafenspross sich als leidenschaftlicher
Großwildjäger betätigt. Vom ersten Rehbock, zu dem er „am liebsten ... alle
Mädchen der Welt ... geführt“ 420 hätte über patagonische Hasen, deren
Kadaver man nach dem Abbalgen am besten auf den Drahtzaun spießt, bis hin zu
Gürteltieren, die, wie der Viehhirte erklärt, „noch fetter“ werden, wenn man
ihnen bei lebendigem Leib die Stummelschwänze abschneidet und sie noch ein
Weilchen liegen lässt 421, kann sich der Leser über die besten
Abschlachtungsmethoden exotischer Tiere informieren. „Obo, das stärkste
wilde Tier“ wurde Magnis von den afrikanischen Einheimischen wegen seiner
Trefferquote genannt. „Das tägliche Waidwerk war mir zur Quelle der Kraft
geworden“ 422, schreibt der jagdfiebrige Graf – offenbar so sehr, dass er
diese makabre „Quelle der Kraft“ später in der Jagd auf Andersgläubige
suchte und fand. In der Würzburger Stadtbibliothek fand sich das Buch unter
den „Kinder- und Jugendbüchern“. Der auf solche Art katholische „Werte“ an
die Jugend weitergebende Graf fand seinerseits nichts dabei, im Oktober 1986
eine Liste von Büchern aufzustellen, die er aus eben dieser Stadtbibliothek
entfernt zu haben wünschte, weil sie angeblich „jugendgefährdend seien“ – so
zum Beispiel ein Buch des Jesuiten Graf Spee, der sich im 17. Jahrhundert
mutig gegen die Hexenverbrennungen eingesetzt hatte!
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